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Arbeitstreffen Schultheater 8. Tag
März 11, 2010
SpielArt berichtet täglich aktuell mit Aufführungskritiken und Fotos aus der engagierten Sicht von Schülerinnen und Schülern
8. Tag: 10. März 2010 in der Luise-Henriette-Oberschule
TIMIDRIA / AUGEN ZU
Goethe-Oberschule, DS-Grundkurs
Eigenproduktion
Spielleiterin: Gesine Nejjar
In unserer heutigen Zeit und Gesellschaft, in der westlichen Welt, ist die Sklaverei für uns unvorstellbar. Doch was ging einst in einem Land vor, das das Versklaven von Menschen zuließ und in dem menschenrechtswidrige Vorgehensweisen nicht strafrechtlich verfolgt wurden?
Das Theaterstück „Timidria/ Augen zu“ thematisiert den Alltag einer solchen Nation, die von Kinderarbeit, Menschenhandel und Zwangsprostitution geprägt ist, indem die Gedanken und Gefühle von einzelnen Betroffenen widergespiegelt werden.
Zweifelsohne waren die schauspielerischen Leistungen sehr überzeugend und beeindruckend, jedoch half dies nicht, den verschlüsselten Inhalt des Stückes vollkommen zu erfassen. Auch das Erkennen des zentralen Themas wurde zum Problem, lediglich durch das Fallen des Wortes „Sklaverei“ konnte man vage vermuten, wovon das Stück eigentlich handelte. Die gleichzeitigen Handlungsstränge in einer Szene führten dazu, dass es dem Zuschauer äußerst schwerfiel, dem Geschehen zu folgen, denn man wusste nun nicht, was man in den Fokus nehmen sollte.
Außerdem gibt es Verbesserungspotenzial in der Aussprache, die zum Teil undeutlich und kaum hörbar war, was aber daran lag, dass die Schauspieler mit dem Rücken zum Publikum spielten und somit auch sprachen.
Dies aber wird nicht nur durch die überzeugenden schauspielerischen Leistungen partiell ausgeglichen, sondern auch durch die aufwendigen Kostüme und professionellen Masken, die für jedes Auge ein Schmaus waren und woran man schon allein durch das Zuschauen Spaß und Freude verspüren konnte. Hinzukommt die äußerst passende Musik zu den einzelnen Szenen, die die Handlung besonders unterstrich. Die Zuschauer fühlten sich mitunter so in die Handlung miteinbezogen, dass sie sogar auf eine Frage eines Schauspielers antworteten, obwohl es eigentlich nicht intendiert war. Ebenso war der Kurs mutig und experimentierfreudig, sodass die Handlung realistisch und authentisch wirkte.
Insgesamt ein gelungenes und empfehlenswertes Stück, wenn auch mit einigen Reserven, was die Darstellung des Inhalts betrifft.
Von Tran, Phuong Ngan (12.Klasse – Barnim Oberschule)
Timidira
Die Sklaven können es nicht fassen. – Nach all den Jahren sollen sie frei sein? Nach den ganzen Jahren der Knechtschaft, in denen sie über Flucht nur nachgedacht hatten, wurde auf dem Papier die Sklaverei abgeschafft. Der Präsident hatte ein Gesetz, welches die Sklaverei verbietet, unterschrieben, um die Unterstützung der Weltbank zu erlangen. Endlich einen Namen tragen und dahin gehen, wohin sie wollten. Aber was war mit den Läufern? Sie waren abhängig und selbst hatten sie keine Möglichkeit, um an die Drogen heran zu kommen.
Um dies alles überzeugend darzustellen, hatten sich die Schüler der Goethe-Oberschule nicht nur Mühe mit den Kostümen gegeben, so dass die gesellschaftliche Stellung schon am Kostüm und der Schminke der Figur erkennbar war. Sondern sie hatten sich auch genauso viele Gedanken über den Umbau der Bühne gemacht, da die vielen Requisiten immer wieder auf die Bühne gebracht wurden und danach entfernt wurden, was im Ganzen auch sehr gut geklappt hat. Für das Stück ein besonderes Requisit war der Schuh, der häufig bespielt und auch im Text aufgefasst wurde. Auch die Umsetzung ist dabei nicht zu kurz gekommen, blacks wurden genauso eingesetzt wie Dynamisierung und Rhythmisierung, welche mit äußerster Genauigkeit eingesetzt wurde. Schön wurde auch mit der Sprache gearbeitet, wobei dahinter noch mehr Potential steckt und beim schnelleren Sprechen besser artikuliert werden sollte. Leider wurde die Präsenz, die direkt auf der Bühne durchgehend von allen Schauspielern gehalten wurde, beim Verlassen der Bühne wenige Male nicht komplett durchgehalten. Dafür haben die Schüler aber sehr schön die Ebenen bespielt und Gefühle und Zustände wie zum Beispiel die Sucht der Läufer sehr gut dargestellt.
Nur wenige Male wurde das Publikum vom Präsidenten und der Vizepräsidentin der Weltbank bespielt, so dass es sich als Nachrichtenzuschauer fühlte. In den anderen Szenen konnte es sich in die Figuren hineinversetzen oder mit ihnen fühlen.
Insgesamt hat der Grundkurs Darstellendes Spiel der Goethe-Oberschule unter der Leitung von Gesine Nejjar nicht nur ein fesselndes Stück erarbeitet, sondern auch eines, das zum Nachdenken über die Situation der Menschenrechte hier in Deutschland und in anderen Ländern anregt und darüber, ob diese Tatsachen von uns wirklich so weit entfernt sind.
Saskia Dohrmann
Die Fotos haben Johannes Koepcke und Denis Hegel gemacht. Ihnen und den Rezensentinnen und Rezensenten sagen wir im Namen der Leserinnen und Leser einen herzlichen Dank.
Topics: Festivals, Jugendtheater, Schule macht Theater |
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